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Der unsichtbare Durst – warum Wasser zu sparen mehr ist als nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Wie lohnenswert es ist, sich mit dem wertvollen Nass zu beschäftigen - ethisch wie finanziell...

In Deutschland scheint Wasser grenzenlos verfügbar. Der Blick aus dem Fenster: Regen. Die Dusche am Morgen: heiß und zuverlässig. Der Rasensprenger im Sommer: selbstverständlich. Und doch ist diese Verfügbarkeit nicht so unerschütterlich, wie sie wirkt. Der Wasseratlas 2025 spricht von „Wasserblindheit“ – einer kollektiven Unachtsamkeit gegenüber einer Ressource, die wir täglich nutzen, aber selten bewusst wahrnehmen¹.

Dabei zeigen Daten des Umweltbundesamtes: Die Wasserentnahmen in Deutschland beliefen sich 2022 auf rund 17,9 Milliarden Kubikmeter – davon entfielen allein 6,9 Milliarden auf die Energieversorgung und 5,2 Milliarden auf Industrie und Bergbau². Die Landwirtschaft nutzte etwa 0,5 Milliarden Kubikmeter, wobei der Bedarf laut Nationaler Wasserstrategie bis 2050 um mindestens 25 % steigen dürfte³. Global betrachtet ist die Landwirtschaft sogar für rund 70 % der Süßwasserentnahmen verantwortlich⁴.

Auch unser Konsum trägt dazu bei: Für eine Tasse Kaffee werden im Schnitt 140 Liter Wasser benötigt, für ein Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter, für eine Jeans etwa 11.000 Liter⁵. Dieses sogenannte virtuelle Wasser stammt oft aus Regionen mit hoher Wasserknappheit – etwa Spanien, Indien oder Nordafrika⁶. Wer bewusster einkauft, kann also nicht nur CO₂, sondern auch Wasser sparen.

Kleine Entscheidungen können einen großen Einfluss haben und das nicht nur einmalig, sondern dauerhaft. Ein Beispiel: der Austausch des Duschkopfes. Während herkömmliche Modelle rund 12 Liter pro Minute ausgeben, reduzieren Sparduschköpfe den Durchfluss auf etwa 6 bis 7 Liter – und das ohne Komfort-Einbußen⁷. Ein Drei-Personen-Haushalt spart so rund 41.568 Liter Wasser, für die Erwärmung 2.810 kWh – und damit etwa 300 Euro jährlich⁸.

Diese sogenannten Co-Benefits machen die Maßnahme besonders attraktiv. Und sie wird belohnt: In den Klimabonus-Verbundregionen Leipzig, Lüneburg, Flensburg und Burgwald-Ederbergland mit Marburg gibt es für die Anschaffung eines Sparduschkopfes 10 Klimaboni. Ein Klimabonus entspricht einem Euro und kann bei nachhaltigen Partnerbetrieben eingelöst werden – etwa in Unverpackt- und Bioläden, Cafés und Restaurants mit regionalem und saisonalem Angebot oder Geschäften mit besonders nachhaltigen Produkten wie Second-Hand-Kleidung oder Upcycling-Möbeln.

Wer über das eigene Zuhause hinaus Wirkung entfalten will, kann sich auch politisch engagieren – etwa für eine Landwirtschaft, die mit Wasser sorgsam umgeht, oder für klare Kennzeichnungen, die den Wasserfußabdruck von Produkten sichtbar machen⁹. Denn nachhaltiger Konsum braucht Transparenz.

Letztlich beginnt der Weg zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Wasser nicht beim Verzicht, sondern beim Bewusstsein. Jeder gesparte Liter zählt – nicht nur in Deutschland, sondern auch dort, wo das Wasser längst knapp ist.

Die gute Nachricht: Wer heute handelt, kann doppelt gewinnen – für sich selbst und für kommende Generationen. Und oft reicht schon ein kleiner Schritt. Oder ein neuer Duschkopf.

Hier geht’s zu den Klimaboni für den Sparduschkopf und weiteren Belohnungen in den Verbund-Regionen:

 

                            Flensburg       Lüneburg      Leipzig       Marburg        Chiemgau

 

Quellen:

¹ Heinrich-Böll-Stiftung/BUND (2025): Wasseratlas 2025, S. 6, www.boell.de 
² Umweltbundesamt (2025): Wasserressourcen und ihre Nutzung, www.umweltbundesamt.de
³ Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (2025): Verfügbarkeit von Wasser für die landwirtschaftliche Feldberegnung, www.praxis-agrar.de
⁴ Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (2025): Die Landwirtschaft verbraucht weltweit (zu)viel Wasser, www.landwirtschaft.de
⁵ Bundeszentrale für politische Bildung (2014): Nachhaltige Wassernutzung, www.bpb.de 
⁶ Heinrich-Böll-Stiftung (2025): Wasserverschwender Landwirtschaft, www.boell.de
⁷ Verbraucherzentrale Energieberatung (2025): Energie klug eingesetzt, schont Umwelt und Geldbeutel, www.verbraucherzentrale-energieberatung.de
⁸ co2online – Klimaschutz, der wirkt (2024): Richtig heizen leicht gemacht: die 10 besten Tipps, www.co2online.de 
⁹ Heinrich-Böll-Stiftung (2025): Wasserverschwender Landwirtschaft, www.boell.de

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